Fußball verbindet – unsere C-Jugend beim Europfoot-Turnier in Frankreich
Reise der C-Jugend zum Europfoot-Turnier in Westfrankreich (Haute-Goulaine und Vertou)
von Niklas Birwe, C-Jugend Trainer
Freitagmorgen, 03:15 Uhr in Marienfeld:
15 Spieler und 4 Betreuer treffen sich – ziemlich übermüdet – an der Sporthalle am Ruggebusch. Wirklich fit sind nur unsere Busfahrer Mario und Olaf sowie Elsa – so nennen wir liebevoll unseren Reisebus. Trotzdem haben es alle pünktlich geschafft, und so starten wir um 03:30 Uhr unsere Reise nach Frankreich.
Schon bald kehrt im Bus Ruhe ein. Als ich wieder wach werde, sind wir fast an der belgischen Grenze, wo wir unseren ersten Zwischenstopp einlegen.
Unser Ziel ist Haute-Goulaine (ausgesprochen etwa: „Oot-Gulein“), eine Vorstadt von Nantes in der Nähe der Loire-Mündung. Nach der Ankunft in Frankreich liegt noch mehr als die Hälfte des Weges vor uns. Zum Glück für die Jungs gibt es an den Raststätten meist McDonald's oder Burger King.
Ein kleines erstes „Highlight“ ist die Pariser Stadtautobahn. Von Weitem zeigt uns Mario mehrere Sehenswürdigkeiten – am prominentesten natürlich den Eiffelturm. Während der Fahrt ist für jeden etwas dabei: Musik hören, lesen, Handyspiele oder einfach ein kleines Nickerchen.
Gegen 17 Uhr ist es dann geschafft:
Wir treffen am Sportplatz in Haute-Goulaine ein, wo wir uns mit Brot und Getränken stärken. Danach werden unsere Spieler von ihren Gastfamilien abgeholt – den Familien der Spieler des GJ Goulaine, dem lokalen Verein. Ganz in der Nähe besuchen unsere Jungs mit den französischen Jugendlichen eine Lasertag-Halle.
Ich begleite währenddessen die Trainer zur Eröffnungsveranstaltung des Turniers. Dort stellen sich alle internationalen Teams – aus Irland, Belgien, der Schweiz, Rumänien und Portugal – auf Französisch vor. Ich weiche auf Englisch aus, was mir zwar etwas unangenehm ist, aber offenbar niemanden stört.
Ein weiterer Programmpunkt ist die Übergabe der Gastgeschenke. Wir hatten im Vorfeld überlegt, was man aus Deutschland mitbringen könnte – dabei stellte sich heraus, dass wir beschenkt wurden: mit regionalem Wein. Unsere Gastfamilien haben sich aber trotzdem sehr über unsere Mitbringsel gefreut.
Samstag – Turniertag
Am Samstagmorgen stärken wir uns bei einem klassischen französischen Frühstück mit Baguette, gesalzener Butter und selbstgemachter Marmelade. Zusätzlich packen unsere Gastfamilien Proviant für den Tag.
Sportlich verlief der Tag eher durchwachsen.
Leider verlieren wir alle Gruppenspiele mit 0:1 – einmal sogar mit einem Gegentor in letzter Sekunde, woraufhin das Spiel nicht mehr angepfiffen wird. Das Punktesystem ist etwas anders als gewohnt: Es gibt bis zu 5 Punkte je nach Ergebnis, um offensives Spiel und Tore zu belohnen. Umso ärgerlicher, dass uns genau diese gefehlt haben.
Am Abend findet ein gemeinsames Grillen mit allen Gastfamilien statt – direkt am Sportplatz. Besonders gut schmeckt uns der lokale Weißwein Muscadet. Dass der Genuss des Weines die französischen Gastgeber nicht an der Heimfahrt hindert, wird dort wohl entspannter gesehen als bei uns. Zum Glück ist alles gut gegangen …
Sonntag – Finalspiele
Am Sonntag stehen die Platzierungsspiele an. Das erste Spiel endet – wenig überraschend – mit einem 0:1. Im zweiten Spiel jedoch können wir einen Rückstand drehen und gewinnen 2:1.
Nach dem Mittagessen (organisiert vom Veranstalter – Salat war nicht so beliebt, Maxi bekam 12 Portionen angeboten …) bringt uns ein Shuttle nach Vertou, wo die andere Hälfte der Mannschaften spielt. Im letzten Spiel gleichen wir einen 0:1-Rückstand aus, treffen dann dreimal Aluminium – und verlieren im Elfmeterschießen 3:4.
Endergebnis: Platz 22 von 24 Teams.
Sportlich also ausbaufähig – aber die großen Finalspiele entschädigen: Wir verfolgen sie gemeinsam mit den anderen ausgeschiedenen Mannschaften von der Tribüne. Jetzt, da alle Teams versammelt sind, wird das Ausmaß des Turniers erst richtig spürbar. Sowohl bei den Jungen als auch den C-Juniorinnen gewinnen französische Mannschaften. Bei der Siegerehrung erhalten alle Teams einen Pokal und einen Satz T-Shirts.
Mehrfach werden wir gefragt, ob wir im nächsten Jahr wiederkommen. Ich bin mir sicher: wir haben SW Marienfeld auf und neben dem Platz würdig vertreten.
Sonntagabend & Rückfahrt
Abends wird erneut mit den Gastfamilien gegrillt. Unsere Jungs spielen ein kleines Freundschaftsspiel gegen GJ Goulaine – diesmal mit Erfolg im Elfmeterschießen. Ein schöner Abschluss!
Bis zum Essen dauert es diesmal etwas – das Turnier hatte sich um 1,5 Stunden verzögert, und auch der Grill ließ auf sich warten. Gegen 22 Uhr ist das Essen dann fertig – alle haben ordentlich Hunger. Um Mitternacht werden die Jungs langsam ungeduldig („Ich muss noch duschen und morgen früh aufstehen“), aber die französischen Gastgeber bleiben völlig entspannt. Mit deutscher Musik – Nena und Rammstein –, lautstark und nicht ganz textsicher mitgesungen, geht es zurück zu den Gastfamilien.
Montag – Heimreise
Am Montagmorgen soll der Bus um 7:45 Uhr am Sportplatz abfahren. Unser Vorschlag: „Dann fahren wir um 7:30 Uhr los.“ Die französische Antwort: „Acht Minuten Fahrt – 7:40 reicht doch.“
Tatsächlich fahren wir um 7:45 los – und sind trotzdem nicht die Letzten. Pünktlichkeit bleibt wohl eine deutsche Tugend.
Die Rückfahrt verläuft ereignislos. Die Stimmung ist ruhig, zwischendurch gibt’s Burger oder Pommes. Gegen 21 Uhr kommen wir wieder an der Sporthalle in Marienfeld an.
Fazit
Was bleibt?
Als wir vor einem halben Jahr die Einladung zum Turnier bekamen, waren wir neugierig – aber auch skeptisch: „Ganz schön weit für ein Wochenende“, „Komplett kostenlos?“, „Und wie klappt das mit der Sprache?“
Heute können wir sagen: Es war eine ganz besondere Erfahrung.
Wir durften Teams aus ganz Europa kennenlernen – unter anderem aus Portugal und Irland – und uns sportlich mit ihnen messen. Die Gastfreundschaft war überwältigend, die Organisation des Turniers durch zahlreiche Freiwillige professionell und herzlich.
Und: Wir haben Freundschaften geschlossen. Der Wunsch der Gastgeber: GJ Goulaine würde sich über eine Einladung zu einem Turnier bei uns freuen. Wir geben alles, um ein Wiedersehen möglich zu machen!
Ein herzliches Dankeschön an:
- das Team des Europfoot-Turniers
- den Verein GJ Goulaine
- unsere Busfahrer Mario und Olaf
- den Förderkreis Fußball Marienfeld
- die Sparkasse Gütersloh-Rietberg-Versmold, die die Reise mit großzügiger Unterstützung möglich gemacht hat